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Kunst am Bau Projekt: Guiding Vision von Elisabeth Sula im Bildungszentrum Traiskirchen, NÖ

´Kunst und Exekutive Kreatives Miteinander im Ausbildungszentrum Traiskirchen´


Kunstwerke in Bürogebäuden, Schulungs- oder anderen öffentlichen Einrichtungen sind oft eine umstrittene Sache: Architekten fühlen sich in ihren Intentionen missverstanden, Mitarbeiter oder Besucher nicht selten provoziert. Ein gelungenes Beispiel für die Integration eines Kunstwerkes am Bau wurde Anfang April im Exekutiv-Ausbildungszentrum Traiskirchen in Niederösterreich der Öffentlichkeit präsentiert. Hauptgrund des Festaktes am 2. April war die Ausmusterung der Teilnehmer des ersten Führungskräftelehrgangs, der gemeinsam für Polizei, Gendarmerie und Kriminalbeamte abgehalten wurde. Das Bild passt an diesen Platz, als ob es immer schon dort gewesen wäre, freut sich Brigadier Rupert Fehringer, Leiter des Ausbildungszentrums, über das 6,5 x 2,5 m große Kunstwerk, das die international renommierte Künstlerin Elisabeth Sula für den hohen, Licht durchfluteten Eingangsbereich der Exekutiv-Bildungsstätte geschaffen hatte.


Guiding Vision ist der Titel des in warmen rot-gelben Farbtönen gehaltenen Gemäldes, mit dem Sula auf die Leitmotive des Hauses wie Hilfe, Schutz und Sicherheit Bezug nimmt. Inspirieren ließ sie sich vom großen chinesischen Weisen Laotse. Sein Buch Tao te king aus dem 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entstand übrigens auf Anraten eines Mannes in Uniform, eines Grenzwächters, wie die Kunsthistorikerin Andrea Überbacher bei der Präsentation ausführte.


Elisabeth Sula, Absolventin der Hochschule für Angewandte Kunst, war vom Verein Gendarmerie aktiv beauftragt worden, die Eingangshalle des vor zwei Jahren eröffneten Zentrums zu gestalten. Ein Verein, der trotz ungewisser Zukunft angesichts der Zusammenlegung von Gendarmerie und Polizei, damit noch ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben hat. Präsident des Vereins und Initiator der Bildgeschichte ist ÖBV-Generaldirektor Dr. Johann Hauf und  so schließen sich die Kreise immer wieder: Im Wiener Atrium der ÖBV hatte Elisabeth Sula schon im Jahr 2002 mit einer Ausstellung die ÖBV-Familie begeistert.


Die Maße des Bildes in Traiskirchen waren auch für Elisabeth Sula eine Herausforderung: Ihr Atelier im Wiener Stadtteil Kaisermühlen war schlicht zu klein, doch eine Lösung war gemeinsam mit dem Ausbildungszentrum bald gefunden: Ein als Kantine vorgesehener noch leer stehender Raum wurde der Künstlerin zur Verfügung gestellt und sie übersiedelte mit allen Malutensilien für drei Monate nach Traiskirchen anfangs durchaus "mit gemischten Gefühlen" wie sie eingesteht, die aber bald großer Begeisterung wichen. "Ich war überrascht von der warmherzigen Atmosphäre in diesem Haus, vom herzlichen Umgang der Menschen miteinander und von der liebevollen Aufnahme, die ich dort gefunden habe."


Nach den drei Monaten im Exekutiv- Atelier fällt der Abschied schwer, ihr und auch den MitarbeiterInnen des Ausbildungszentrums. Die positive Beziehung, die zwischen der Künstlerin und den MitarbeiterInnen des Ausbildungszentrums in diesem Vierteljahr entstanden ist, ist beim Festakt am 2. April deutlich zu spüren und sie schließt das Werk ein: Der Stolz auf und die Freude über die gelungene Gestaltung der Eingangshalle ist den MitarbeiterInnen anzusehen. Neben der künstlerisch-ästhetischen Integration ist es den Organisatoren des Festaktes aber auch ausgezeichnet gelungen, zwei so unterschiedliche Events wie eine Ausmusterungsfeier inclusive Fahnenweihe und die Präsentation eines Kunstwerks als Gemeinsamkeit unter einen Hut zu bringen. Für die 305 ausgemusterten zukünftigen Führungskräfte war es sicher ein erinnerungswürdiger Abschluss ihrer 30-wöchigen Ausbildung.


Die Stadt Traiskirchen würdigte das Ereignis noch zusätzlich mit einer neuen Fahne für das Ausbildungszentrum. Und Elisabeth Sula hat wohl während ihrer Arbeit im Aus-Bildungszentrum Traiskirchen eine Bestätigung für ihre Definition von Bildung gefunden: "Bildung beinhaltet neben dem Erwerb von Wissen und der Aneignung von Fähigkeiten immer auch eine Kultivierung des Herzens."


Artikel in ÖBV aktiv
Herbst 2004

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