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ÖBV aktiv hat mit Elisabeth Sula folgendes Gespräch geführt:

Bei Ihrer Vernissage hat Frau Prof. Bäumer in ihrer Einführung die Veränderungen im Stil Ihrer Arbeiten während der letzten Jahre erwähnt. Wie würden Sie selbst Ihre künstlerische Entwicklung charakterisieren?

Frau Prof. Bäumer kennt meine Arbeiten seit etwa zehn Jahren. Als wir uns kennen lernten, habe ich sehr viele plastische Arbeiten mit Papiermachee auf Leinwand und auf Drahtgitter gemacht. Papiermachee sieht aus wie Gips, ist aber leichter, nicht so zerbrechlich wie Gips und lässt sich wie Ton bearbeiten. Ich habe sehr viele Arbeiten in Weiß gemacht, und diese meine Zen-Serie genannt. Es war mir wichtig, eine Spannung zu vermitteln und ich habe versucht, das mit sehr reduzierten Mitteln auszudrücken, mit Licht und Schatten, denn die Objekte lebten von Licht und Schatten. Ich habe damals mehrere Ausstellungen mit großem Erfolg in Paris gehabt.

Mir war es aber immer wichtig, mich in unterschiedlicher Weise auszudrücken, ich habe auch viel fotografiert und Objektarbeiten gemacht.


Weiße Arbeiten – im Vergleich zu den Bildern, die Sie bei uns ausgestellt haben, da sind doch Welten dazwischen?

Ich habe zu den weißen Arbeiten gemalt, aber eher monochrome Bilder gemalt. Das Bunte ist eigentlich mit meinen Reisen, vor allem nach Indien, entstanden.


Wie hat sich Ihre Beziehung zu Indien entwickelt?

Durch meine spirituelle Sinnsuche; ich hatte ein intensives Bedürfnis wegzufahren, etwas Neues zu beginnen, eine Distanz zu meinem damaligen Leben aufzubauen. Beeinflusst hat mich u.a. die Lektüre eines indischen Meisters, eines Philosophen und Literaturprofessors aus Nordindien. Seine Texte haben mich sehr berührt und ich empfinde Indien überhaupt als ein Land, wo Spiritualität traditionell quasi in der Luft liegt. Ich habe mich bei meinen Indien-Aufenthalten immer sehr reich beschenkt gefühlt – von allem, vom Land, der Kunst und Kultur sowie von den Begegnungen mit Menschen. Seit 1995 bin ich regelmäßig in Indien. Und ich habe das Gefühl, in zunehmendem Maße, in dem ich in mich selbst hineingehe, meine eigene Seele ergründe, meine Tiefe kennen lerne, setzt sich das in meinen Bildern um.


Innere Landschaften – passt das für Ihre Bilder?

Vielleicht eher Seelenlandschaften, Seelenthemen. Es geht immer um Themen, die mich sehr beschäftigen, die ich in Serie umsetze. Ich arbeite immer an mehreren Leinwänden zugleich.

Mein Atelier ist voll Leinwänden, an denen ich gleichzeitig arbeite, ich gehe von Bild zu Bild und da kommt Schicht über Schicht darüber.


Und ist das ein spontaner Prozess, oder konzipieren Sie, planen Sie Bilder?

Die Bilder entstehen spontan, es ist ein bisschen ein Gefühl, als ob ich schwanger gehen würde mit einer Thematik und dann werden die 'Kinder' geboren.


Noch einmal zu den Farben, es sind sehr warme Farben, die Sie verwenden. Man hat den Eindruck, sogar das Blau ist warm, obwohl es ja eine kühle Farbe ist – welche Bedeutung haben verschiedene Farben für Sie?

Wenn ich male, dann setze ich Farben eigentlich nur intuitiv ein. Aber ich hatte nach dem Studium ein Stipendium in Italien und habe mich damals sehr intensiv mit der Bedeutung von Farben und Symbolen beschäftigt. Rot zum Beispiel stärkt die Lebensfreude, die Lebensenergie, es gibt Kraft. Man kann das auch sehr bewusst überlegen, welche Bilder tun mir gut, welche Farben tun mir gut. Wenn jemand zum Beispiel sehr cholerisch ist, ist Rot überhaupt nicht gut. Oder wenn jemand eher depressiv ist, dann sind warme Farben optimal. Orange zum Beispiel wirkt sehr unterstützend für die Heilung vom inneren Kind, es ist auch die Farbe der Intimität.

Gelb stärkt das Selbstbewusstsein, die Durchsetzungskraft, wirkt auf das Sonnengeflecht, um den Menschen mit dem zu verbinden, wer er ist, was er will und um damit nach außen gehen zu können.


Ist diese Bedeutung von Farben eigentlich universell oder auch kulturell unterschiedlich?

Interessanterweise decken sich oft Farbzuordnungen, genauso Symbole, und haben in verschiedensten Kulturen dieselbe Aussage. Man könnte sagen, die Symbolik und eigentlich auch der Einsatz von Farben ist eine Art von Ursprache. Zum Beispiel waren die Königsgräber in Ägypten blau ausgemalt und Blau hat einen sehr starken Bezug zur geistigen Welt, also Geist, Verstand, Kommunikation. Ich finde es auch immer sehr spannend und interessant, wenn ich Bilder verkaufe, wer sich von welchen Bildern, von welchen Farben ansprechen lässt, was jeder so braucht.


Sie beschäftigen sich sehr stark mit philosophischen, spirituellen Themen – schreiben Sie auch?

Ich habe einige Zeit Philosophie studiert. Aber was mich an der Malerei so fasziniert ist eben, mit einem Bild etwas zum Ausdruck zu bringen, was jeder versteht, unabhängig von Nationalität oder Sprache, es berührt einen unmittelbarer, es ist eine andere Ebene als das Lesen und wirkt direkt auf das Unbewusste des Betrachters.


Sie haben eine beeindruckende Fülle an Ausstellungen gemacht– was macht Ihren Erfolg aus? Bzw., anders gefragt, würden Sie selbst sich als erfolgreiche Künstlerin bezeichnen?

Das hängt davon ab, woran man den Erfolg misst. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich vom Verkauf meiner Arbeiten leben kann. Und es bedeutet mir auch sehr viel, zu sehen, wie Leute sich an meinen Bildern freuen, dass sie den Menschen Kraft und Energie geben.


Wie lange sind Sie schon als freie Künstlerin tätig?

Eigentlich immer schon. Ich habe schon während des Studiums ausgestellt und wollte auch nie etwas anderes machen. Wobei ich in meiner Ausdrucksart nie so fixiert war auf eine Möglichkeit, ich könnte mir auch vorstellen, wieder fotografisch zu arbeiten oder mit Video. Mir ist es wichtig, das umzusetzen, transparent zu machen, was mir innerlich ein Anliegen ist. Ich kann auch immer wieder los lassen, etwas gehen lassen.


Sie haben schon in sehr vielen Ländern gelebt – macht es für Sie einen Unterschied, wo Sie arbeiten?

Ja, ich habe in Paris, in Italien, und dann eben immer wieder in Indien gelebt. In Indien vor allem genieße ich es, dass ich dort im Freien malen kann und da entstehen einfach andere Bilder, wenn man mitten in der Natur ist. Ich habe das zwar auch in Österreich immer wieder gemacht, mit einer Freundin, die Restauratorin ist. Es ist im Freien wirklich ein anderes Malen.


Inwieweit ist dabei die reale Natur für Sie wichtig, für Ihre Malerei?

Für mich ist die Natur der Lebensraum, in dem ich am ehesten Kraft tanken und mich energetisch nähren kann, neben dem ästhetischen oder optischen Eindruck. Aber die Natur hat für mich den selben Stellenwert wie die bunten Saris der Frauen, also die Farbeindrücke insgesamt sind in Indien wesentlich intensiver als hier, von der Kleidung bis zur Natur, der Himmel, alles.

Bei uns ist alles sehr Grau. Die Farbenpracht wirkt sich natürlich auch auf die Stimmung aus und natürlich auch, dass meistens die Sonne scheint und man sich außer beim Schlafen eigentlich immer im Freien aufhält. Es kommt mir immer unnatürlich vor, wie viel wir uns hier in Häusern aufhalten, obwohl wir es natürlich gewohnt sind und es aufgrund unseres Klimas kaum anders möglich ist.


Sind die Bilder, die Sie bei uns ausgestellt haben, extra für das Atrium gemacht und was hat Sie an diesem Raum besonders fasziniert?

Ja, die Serie 'The Ocean Within' ist extra für den Raum gemacht. Fasziniert hat mich die Lichtsituation, das von oben kommende Licht und dann die Pfeiler. Ich wollte auch in der Form der Bilder mit der Energie in diesem Raum, die sehr dieser Ausrichtung nach oben folgt, mitschwingen.


Wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute für Ihre zukünftige Arbeit.


Artikel in der ´ÖBV aktiv´
Sommer 2002, Teil 2

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