Anlässlich der Einzelausstellung von Arbeiten von Elisabeth Sula im Österreichischen Tabakmuseum, Wien 1995

Elisabeth Sulas Lust am Experiment ist greifbar. In schöpferischer Vielfalt wechselt sie Techniken, Medien, Bildsprachen mit einer dennoch durchgängigen Kohärenz der Inhalte. Ausgehend von der befreienden Lektion der Surrealisten über den spielerischen Umgang mit Materialien begann Elisabeth Sula in den 80iger Jahren in Collagen zu arbeiten; Gras, Blätter, Treibholz, Nudeln oder Streuselzucker begegneten auf Leinwand und Papier den Farben. Auf Phasen der expressiv-gestischen Malerei folgten Fotoübermalungen, Collagen, Experimentaldrucke.

1986 beginnt sich die Malerei der Künstlerin von der Wand zu erheben. Den Bildern wachsen Körper, dem Raum entgegen; sie werden zu "Bildobjekten", ohne dabei jedoch die Wand vollends in Richtung freier Skulptur zu verlassen. Während sich in den nahezu frei schwebenden Klangkörpern von 1986 die Leinwandfläche in den Raum aufzurollen scheint, wird sie in den gleichzeitigen Rahmenbedingungen zunehmend durch Schnürungen und Gitterstrukturen ersetzt; lediglich die Rahmen signalisieren die Erinnerung ans Bild.

In den folgenden Jahren kehrt die Malerei in die Fläche zurück, doch die Reliefierung durch Gipsbinden, die Inkorporation von Kupferfolien und Metalldrähten bleiben wesentliche Gestaltungselemente.

Seit 1991 tritt wieder reines Weiß neben die preziös schimmernden Metalliséflächen der Bronze- und Kupferbilder und ihrer expressiv-gestischen Malerei. Im Monochrom der weißen Dispersionsfarbe zeichnet sich nur das Relief des eingearbeiteten Papiermachés ab. Diese Symbole sind formal streng reduzierte Zeichnung und stehen gleichzeitig für die zu konzisen Zeichen verdichtete Thematik der Künstlerin: Sinnsuche - Vision - Portal - Seele - Tag/Nacht ....

Elisabeth Sula folgt in ihrer Symbolsprache einer in der jahrelangen Auseinandersetzung mit der Bildsymbolik archaischer Kulturen konsequent erarbeiteten Syntax. Als "gestaltgebende Mittlerin der allen gemeinsamen Ursprache" sieht die Künstlerin die zentrale Rolle ihrer Arbeiten in der schöpferischen Materialisierung und Vermittlung geistiger Inhalte.

Dr. Georgia Illetschko
Kunsthistorikerin
Wien, Herbst  1995


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