Avantgarde of Consciousness/

Avantgarde des Bewusstseins

Für ihre höchst kontemplative Kunst findet Elisabeth Sula häufig Inspiration in ihren Philosophiestudien und erschafft Serien von Werken, die indirekt die Sichtweise und das Verständnis der Verbindung zwischen Selbst und Gesellschaft in Frage stellen. 
Ihre Bilder verbinden Elemente metaphysischer Erkundung mit spiritueller Erforschung, die teilweise aus ihren vielen Jahren in Indien stammen. Wo frühere Arbeiten mit östlich inspirierten Ornamentmotiven überlagert wurden, ersetzen nun in `Avantgarde des Bewusstseins großzügige Botschaften der Selbstermächtigung diese grafischen Elemente. Zusammen bilden diese Werke einen Chor pulsierender Farbe und deklarativer Entschlossenheit, ein Versprechen des Nährenden und des Auftriebs, die mit dem Streben nach Selbsterkenntnis einhergehen.

Sulas neueste Serie begann als Antwort auf das, was sie als eindimensionale, angsterzeugende Berichterstattung über die Coronavirus-Pandemie empfand, die von einer Reihe einflussreicher Quellen gefördert wurde. Um den Umfang solcher Betrachtungsweise zu erweitern und komplexer zu gestalten, drängt sie auf eine Neuformulierung des Umgangs mit diesem Virus als Symptom unserer wachsenden Entfremdung sowohl von der Erde, deren Ressourcen wir weiterhin achtlos plündern, von uns selbst als auch von einander, wo Sorge um nationale und rassische Überlegenheit zunehmend unseren Sinn für die gemeinsame Menschlichkeit bedrohen. Mit ihren vielschichtigen Arbeiten möchte sie kollektive Gefühle der Hilflosigkeit und Angst mit einer Botschaft der Ermächtigung und Selbstverwirklichung transformieren, die weit über diesen bestimmten Moment hinausgeht. Sula entfernt sich vom Virus selbst als dominante Erzählung und blickt auf die umfassendere Geschichte der Herausforderungen an den Status quo der Menschheit. Sie reflektiert, was wir tun können, um uns als Agenten und nicht als Opfer vor physischen und psychischen Bedrohungen zu schützen.

Das übergeordnete Thema der Avantgarde des Bewusstseins, verstärkt durch den auf jeder Leinwand aufgedruckten Text, ist die Wahl - insbesondere die Wahl, eine Haltung der Akzeptanz gegenüber der Angst einzunehmen, nicht nach außen sondern nach innen zu schauen nach der grundlegenden Inspiration, die unsere Gedanken und Handlungen antreibt. Von den acht Gemälden, aus denen die Serie besteht, beschreibt jedes einen anderen Aufruf zum psychischen Handeln - ich wähle Dankbarkeit, Würde, Fülle, Glück, Mut, Bewusstheit, Freundlichkeit -, das Wichtigste ist für sie das Vertrauen. Nur wenn wir uns entscheiden, uns selbst, unserer Intuition und unserem Instinkt zu vertrauen, können wir den Mut finden, Risiken einzugehen, zu lernen und zu wachsen, andere  erreichen, Wunden heilen und letztendlich Frieden finden. 
Durch Vertrauen können wir nach der Würde streben, die wir verdienen, und diejenigen zurückweisen, die uns herabsetzen und erniedrigen würden. Gleichsam können wir andere Lebewesen in ihrer Würde achten. 
Hier berücksichtigt Sula moderne Bewegungen für Frauenrechte und Rassengleichheit, die derzeit rund um diese Begriffe stattfinden.

Durch Vertrauen verweigern wir Wut und Ressentiments einen Platz in unseren Herzen und können Güte wählen; wir nehmen unsere Fülle wahr, und für diese Fülle empfinden wir Dankbarkeit, aus der das Glück entspringt. Durch Vertrauen erreichen wir einen höheren Zustand des Bewusstseins, öffnen uns für eine Gegenwärtigkeit  und Einheit, die unsere Individualität transzendiert. Alle diese „Entscheidungen“ sind miteinander verbunden, was mit Sulas ganzheitlicher Weltanschauung übereinstimmt, die gleichzeitig eine universelle und eindeutig feministische ist, die Weiblichkeit mit Intuition, Wärme und einer nicht wertenden Herangehensweise an die Gesamtheit der menschlichen Erfahrung verbindet. Sokrates glaubte, dass diejenigen, die Philosophie auf die richtige Weise praktizieren, gewissermaßen „im Sterbetraining“ sind und „am wenigsten den Tod fürchten“. Für Sula geht der endgültige Verzicht auf Angst mit der Akzeptanz unserer eigenen Sterblichkeit einher. Nur wenn wir die Endlichkeit unserer eigenen Reise annehmen, können wir den Mut aufbringen, mit der Intensität und Offenheit zu leben, die ein erhöhtes Bewusstsein und eine höhere Fähigkeit zu echter Weiterentwicklung hervorbringen.

Diese Arbeit hätte nicht in einem folgenreicheren Moment stattfinden können, der durch ein spaltendes politisches Gebaren gekennzeichnet ist, welches sich unachtsam langjährigen massiven Ungleichheiten gegenüber zeigt, aber nun im Virus einzig und allein eine Bedrohung für den zügellosen Individualismus und eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit heraufbeschwört - alles vor dem Hintergrund einer globalen Flüchtlingskrise, Hungersnöten und Umweltzerstörung in beispiellosem Ausmaß. 
Sulas Arbeit bietet eine Vision für die Zukunft, die den Einzelnen erhebt, aber einen kollektiven Ansatz zur Selbstprüfung und die daraus resultierenden Handlungen priorisiert. Wenn sich Angst als eine Art Ohnmacht manifestiert, ist ihre Arbeit ein Aufruf zur Bewusstheit, der Gewissenhaftigkeit priorisiert, ein offener Appell, der mit der Verordnung von geschriebenem Text beginnt, um dann mit Strömen aus abstrakter, interpretativer Farbe zu verschmelzen.

Elizabeth Breiner    
Kunstkritikerin, London, Februar 2021

Avantgarde des Bewusstseins

Für ihre höchst kontemplative Kunst findet Elisabeth Sula häufig Inspiration in ihren Philosophiestudien und erschafft Serien von Werken, die indirekt die Sichtweise und das Verständnis der Verbindung zwischen Selbst und Gesellschaft in Frage stellen. Ihre Bilder verbinden Elemente metaphysischer Erkundung mit spiritueller Erforschung, die teilweise aus ihren vielen Jahren in Indien stammen. Wo frühere Arbeiten in mit östlich inspirierten Ornamentmotiven überlagert wurden, ersetzen nun großzügige Botschaften der Selbstermächtigung diese grafischen Elemente. Zusammen bilden diese Werke einen Chor pulsierender Farbe und deklarativer Entschlossenheit, ein Versprechen des Nährenden und des Auftriebs, die mit dem Streben nach Selbsterkenntnis einhergehen.
Sulas neueste Serie begann als Antwort auf das, was sie als eindimensionale, angsterzeugende Berichterstattung über die Coronavirus-Pandemie empfand, die von einer Reihe einflussreicher Quellen gefördert wurde.
Diese Arbeit hätte nicht in einem folgenreicheren Moment stattfinden können, der durch ein spaltendes politisches Gebaren gekennzeichnet ist, welches sich unachtsam langjährigen massiven Ungleichheiten gegenüber zeigt, aber nun im Virus einzig und allein eine Bedrohung für den zügellosen Individualismus und eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit heraufbeschwört - alles vor dem Hintergrund einer globalen Flüchtlingskrise, Hungersnöten und Umweltzerstörung in beispiellosem Ausmaß.
Sulas Arbeit bietet eine Vision für die Zukunft, die den Einzelnen erhebt, aber einen kollektiven Ansatz zur Selbstprüfung und die daraus resultierenden Handlungen priorisiert. Wenn sich Angst als eine Art Ohnmacht manifestiert, ist ihre Arbeit ein Aufruf zur Bewusstheit, der Gewissenhaftigkeit priorisiert, ein offener Appell, der mit der Verordnung von geschriebenem Text beginnt, um dann mit Strömen aus abstrakter, interpretativer Farbe zu verschmelzen.

Elizabeth Breiner Februar 2021 Kunstkritikerin, London

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