Avantgarde des Bewusstseins

Für ihre höchst kontemplative Kunst findet Elisabeth Sula häufig Inspiration in ihren Philosophiestudien und erschafft Serien von Werken, die indirekt die Sichtweise und das Verständnis der Verbindung zwischen Selbst und Gesellschaft in Frage stellen. Ihre Bilder verbinden Elemente metaphysischer Erkundung mit spiritueller Erforschung, die teilweise aus ihren vielen Jahren in Indien stammen. Wo frühere Arbeiten in mit östlich inspirierten Ornamentmotiven überlagert wurden, ersetzen nun großzügige Botschaften der Selbstermächtigung diese grafischen Elemente. Zusammen bilden diese Werke einen Chor pulsierender Farbe und deklarativer Entschlossenheit, ein Versprechen des Nährenden und des Auftriebs, die mit dem Streben nach Selbsterkenntnis einhergehen.
Sulas neueste Serie begann als Antwort auf das, was sie als eindimensionale, angsterzeugende Berichterstattung über die Coronavirus-Pandemie empfand, die von einer Reihe einflussreicher Quellen gefördert wurde.
Diese Arbeit hätte nicht in einem folgenreicheren Moment stattfinden können, der durch ein spaltendes politisches Gebaren gekennzeichnet ist, welches sich unachtsam langjährigen massiven Ungleichheiten gegenüber zeigt, aber nun im Virus einzig und allein eine Bedrohung für den zügellosen Individualismus und eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit heraufbeschwört - alles vor dem Hintergrund einer globalen Flüchtlingskrise, Hungersnöten und Umweltzerstörung in beispiellosem Ausmaß.
Sulas Arbeit bietet eine Vision für die Zukunft, die den Einzelnen erhebt, aber einen kollektiven Ansatz zur Selbstprüfung und die daraus resultierenden Handlungen priorisiert. Wenn sich Angst als eine Art Ohnmacht manifestiert, ist ihre Arbeit ein Aufruf zur Bewusstheit, der Gewissenhaftigkeit priorisiert, ein offener Appell, der mit der Verordnung von geschriebenem Text beginnt, um dann mit Strömen aus abstrakter, interpretativer Farbe zu verschmelzen.

Elizabeth Breiner Februar 2021 Kunstkritikerin, London

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