Jeder Freund war einmal ein Fremder

Elisabeth Sula ist weit gereist und hat viel gesehen. Ihrer Neugierde und Offenheit ist es zu verdanken, dass die sensible Künstlerin dabei immer wieder neue Seiten an sich selbst und ihrer Umwelt entdeckt hat, die sie eine einzigartige Bildsprache entwerfen ließen. Auch bei Böhler Edelstahl weiß man die Ausdruckskraft und Qualität dieser Sprache zu schätzen und hat die Wiener Kunstschaffende deshalb eingeladen, den Böhler Kunstkalender 2015 zu gestalten.

Vom Sein und Werden

Elisabeth Sula ist gebürtige Wienerin. Neben ihrem Studium der Philosophie und Kunstgeschichte genoss sie unter anderem eine Ausbildung in Malerei und Grafik bei Oswald Oberhuber in Wien. Ihre ersten Studienaufenthalte führten die  Künstlerin nach Italien und Asien. Im weiteren Verlauf ihrer Karriere aber auch in Länder wie Indien, Costa Rica und Indonesien. Neben verschiedenen Förderungen und Stipendien erhielt Elisabeth Sula im Jahr 1994 den Theodor-Körner Preis. Das künstlerische Engagement der preisgekrönten Wiener Kunstschaffenden tritt daneben auch in Form verschiedener Lehrtätigkeiten zu Tage, unter anderem in Deutschland und Griechenland. Zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in ihrer Heimat, aber auch in Frankreich, Italien, der Türkei oder Indien belegen dabei das nationale und internationale Interesse an den Werken der gebürtigen Österreicherin, die bereits in mehreren öffentlichen und privaten Sammlungen zu finden sind. Trotz der vielschichtigen positiven Resonanz in der Vergangenheit stellt sich Elisabeth Sula gerne immer neuen Herausforderungen. In diesem Sinne war es eine besondere Freude für sie, als das steirische Unternehmen Böhler sie dazu eingeladen hat, den  ‚Böhler Edelstahl Kunstkalender 2015‘ zu gestalten. Eine Aufgabe, der sich die talentierte Wienerin mit  Begeisterung und Hingabe widmete. Das Ergebnis lässt sich nicht nur sehen, sondern erleben. Denn hinter jedem gewendeten Blatt eröffnet sich  ein neues Geschenk für das Auge und die Seele der BetrachterInnen.

 

Sich auf eigene Art aneignen, was sie auf ihre Weise erkannt hat

„Bildung beinhaltet neben dem Erwerb von Wissen und der Aneignung von Fähigkeiten immer auch eine Kultivierung des Herzens.“ Dieser Gedanke beschreibt Elisabeth Sulas Zugang zum Leben und zur Kunst. Ihrer Intuition folgend begibt sich die Künstlerin auf immer neue Wege, um ihr Innerstes zu erforschen. Getreu dem Motto: „Man kann in der Kunst nur in die Tiefe gehen, wenn man bei sich selbst in die Tiefe geht.“ Die Ruhe und Kraft, ihre Erfahrungen gestalterisch umzusetzen, schöpft die  Künstlerin dabei  aus der Natur und der Meditation. Aber auch auf ihren Reisen nach Indien und in andere fernöstliche Länder sammelt Sula ihre Inspirationen für neue Projekte. „Der Weg zur eigenen Essenz ist eine nie enden wollende Aufgabe“, ist sich die Künstlerin bewusst, deren Arbeiten wie Projektionen von inneren Erkenntnissen wirken. Ihre Bilder  sind Seelenspiegel.  Denn jedes Gefühl, das ihre Bilder in uns auslöst, führt unweigerlich zu einer direkten oder indirekten Auseinandersetzung mit uns selbst. Der eigene Blick auf die Bilder wird im Zuge der Betrachtung transformiert und lässt uns hinter die Kulissen des eigenen Ichs spähen. Daraus ergibt sich eine besondere Art der Dynamik, die Sulas Arbeiten ihr ganz spezielles Wesen verleihen.

 

Am Ende des Regenbogens

Ein Thema, das Sula schon seit Jahren beschäftigt, ist die Macht der Farben. In den Augen der Künstlerin stellen diese eine unverzichtbare Nahrung für den Menschen dar. Besonders auf ihren Reisen nach Fernost wurde sie auf den Facettenreichtum von visuell wahrnehmbaren Tönen in ihrer Umwelt aufmerksam.  Angelica Bäumer, Kulturjournalistin und langjährige Freundin von Sula, beschreibt ihre Kunst folgendermaßen: „Elisabeth Sulas Malerei ist gegenstandlos, auch abstrakt, wenn man so will. Aber es liegt doch in jedem Bild ein Objekt, auch wenn es verborgen ist in den Farben und dem Rhythmus. Es sind weniger Figuren oder reale Objekte, eher in Form gebrachte Themen und Inhalte, die sich in ihren Werken ausdrücken. Elisabeth Sula macht es sich nicht leicht, weil alles, was sie sagen will, in ihr ruht und mehr und mehr ans Licht kommt, oder, besser gesagt, auf die Leinwand. Jedes Bild ist ein eigener Prozess, der von Innen nach Aussen drängt und Gestalt annimmt. Selbst wenn sie in Zyklen arbeitet, ist doch jedes Bild autonom, trägt einen selbstständigen Gedanken, der sich entwickelt aus dem immer tieferen Eindringen in die geistige und kreative Materie. Die Arbeiten entstehen in einer Art inneren Stille, wie sie durch Meditation kommt und durch Loslassen allzu oberflächlicher Gedanken und alltäglicher Mühen.“

Es werde Licht

 „Man kann mit einer Kerze tausend Kerzen anzünden, ohne dass die eigene dadurch aufhört zu leuchten.“, zitiert Elisabeth Sula eine Weisheit, die ihr künstlerisches Schaffen seit langer Zeit begleitet und motiviert. Ihr war es immer schon wichtig, ihr eigenes Potenzial zu erkennen und zunehmend zu leben, gleichzeitig aber auch andere an ihrer positiven Lebenseinstellung teilhaben zu lassen. „Ich brauche innere Ausgeglichenheit, um malen zu können.“Die positive Einstellung gegenüber sich selbst und ihrer Arbeit drückt sich in nahezu jedem Werk der  Wienerin aus. Ihre Bilder sprühen vor Kraft und Leben.

Frei sein in dem was man tut

Elisabeth Sula lässt ihrer Intuition beim Malen  freien Lauf.  „Ungeniert, frei und fließend ist die Fläche, hell, luftig und aufgebrochen. Nichts ist eingesperrt, alles hat seine Freiheit und darf sich in aller Großzügigkeit ausbreiten und den Raum bestimmen, ja beherrschen. Es ist, als würde jedes Bild nicht nur eine neue bemalte Leinwand sein, sondern eine neue Welt. Erfrischend und ungewöhnlich, ausufernd und ungeniert lässt Elisabeth Sula der Emotion freien Lauf und hält sich nicht auf mit technischen oder formalen Kriterien irgendeiner Schule oder Lehre. Aber gerade weil sie in allen Techniken des Westens und Ostens geschult ist, kann sie sich völlig frei dem Bild hingeben. Das Bild entsteht nicht weil sie malt, sondern indem sie malt. “ Angelica Bäumer führt so vor Augen, wie sich die Freiheit, die den Schaffensprozess der Künstlerin begleitet, auf der Leinwand ausdrückt. Man könnte die Wirkung dieser Freiheit aber auch mit den Worten der Künstlerin beschreiben, die über die Arbeiten des von ihr sehr geschätzten Mark Rothko sagt: „Seine Bilder lassen Größe spüren, größere Weite spürbar machen.“ Dem sei hinzugefügt: Sulas Arbeiten lassen uns  in die unendlichen Weiten der Emotion eintauchen, machen Größe mehr als erfahrbar und sind – einfach großartig!

Resümee

Elisabeth Sulas Arbeiten sind farbenfroh und stecken voller Leben. Ihr befreiter und gleichzeitig wertschätzender Umgang mit sich selbst und ihrer Umwelt, ermöglicht es der authentischen Künstlerin, Werke zu schaffen, die nicht nur Ausdruck ihrer eigenen Gefühlswelt sind, sondern einen unvermittelt zur Reflexion über das eigene Ich anregen. Ihre Kunst lässt sich nicht im eigentlichen Sinne betrachten, sondern ermöglicht etwas – vor allem in der heutigen Zeit – viel Essentielleres: Momente der Stille, in denen man ganz bei sich selbst ist.

Die Präsentation des Böhler Edelstahl-Kunstkalenders 2015 findet im Rahmen der Ausstellung der Bilder von Elisabeth Sula am 6. November 2014, ab 19.00 Uhr im Theatersaal des Hotels Böhlerstern, Friedrich-Böhler-Straße 13 in 8605 Kapfenberg statt.

Barbara Jernej

Kultur 80


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