Böhler Edelstahl Kunstkalender 2015

Das neue Jahr beginnt! Alles ist offen, ist frei vom Ballast des alten. Voll Hoffnung öffnet es sich mit all seinen Möglichkeiten und Chancen auf den ewigen Neubeginn, den wir stets erwarten. Auf der grossen blauen Fläche sind nur wenige Wege eingeprägt, manches können auch Brücken sein, die uns daran erinnern, dass wir nicht ganz von Vorne beginnen müssen, dass wir auf Erlebtes und Erfahrenes zurückblicken können und uns doch neugierig einlassen wollen auf das Neue.

„Man kann in der Kunst nur in die Tiefe gehen, wenn man bei sich selbst in die Tiefe geht.“ Dieser Gedanke von Elisabeth Sula kann als Motto über ihrer Malerei stehen und sie hat diese Erkenntnis sowohl in ihrem Studium – sie hat in Wien neben Malerei bei Oswald Oberhuber auch Philosophie studiert – als auch in ihren vielen und langen Aufenthalten in Asien gewonnen. Vor allem in Indien hat sie eine in Europa weitgehend verloren gegangene Spiritualität erlebt, die trotz aller Probleme und Sorgen des täglichen Lebens aus der Einsicht kommt, dass das Leben ohne eine geistige Dimension zur materialistischen Oberflächlichkeit verkommt. Diese Erfahrung und Erkenntnis hat Elisabeth Sula in ihre Kunst eingebracht.

In ihrem von ihr gestalteten Kalender mit sechs Serien zu je zwei Bildern durchwandert sie innere Entwicklungsprozesse als Spiegel für die äußeren Wandlungen in der Natur. Eine dynamische Stille welche Ruhe ausstrahlt und dennoch spürbar die Impulse des Neubeginns in sich trägt; das Wachsen des Bewusstseins; das Licht von Erkenntnis; der Fluss des Lebens; das Geheimnis von Transformation; das wissende Feld, welches das Verbundensein von allen Wesen zeigt.

Wenn wir uns auf jedes einzelne Werk einlassen, das uns den Winter, den Frühling, Sommer und Herbst symbolhaft vor Augen führt, dann ist es das, was Elisabeth Sula schon immer in ihrer Kunst zeigen will: den Sinn des Lebens und die Tiefe des Augenblicks; Emotion und Geist; Ordnung und Freiheit; Unbewusstes das sich in Bewusstsein wandelt.  

Es wäre nicht Elisabeth Sula, wenn sie die Geschichte des Jahres nicht in ihre großzügigen starken Farben tauchen würde. Mit Schwämmen, Pinseln und Walzen trägt sie Rot, Blau, Gelb, Violett auf und verwandelt das Jahr in einen Farbenrausch. Sie kommt ohne Gegenstand aus, ihre Realität ist die Komposition und das Licht, so vermittel sie die Tiefe der Erkenntnis, die Ernsthaftigkeit der Kunst, aber auch die Freude am Leben.

 © Angelica Bäumer

Kulturjournalistin und Autorin

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